Liebes Christkind

Vermutlich bin ich schon etwas zu alt, um ans Christkind zu glauben, aber nachdem wir uns seit Monaten mit Corona rumschlagen, habe ich zum ersten Mal seit Jahren die Zeit, mich vom Geist der zukünftigen Weihnacht abholen zu lassen. In meiner Wohnung sieht es aus, als wäre eine Armee aus Glitzer befüllten Zauberwichteln explodiert und es duftet nach Keksen, die ich in erschreckend kurzer Zeit aufgefuttert habe. Letztes Jahr hätte ich mir die Ohren wohl eher mit einer Nagelschere abgeschnitten, anstatt Weihnachtslieder mit ihnen zu hören, heuer „Jingle bells, jingle bells….“

Der Lockdown hat eine sehr enge Beziehung zwischen meinem Hintern und dem Sofa entstehen lassen, die beiden sind inzwischen unzertrennlich. In meiner Weihnachtsleggins, dem Rentierpulli und den dicken Flauschsocken zu Hause zu sitzen und die Menschheit zu meiden, könnte meine neue Festtagstradition werden. Zusätzlich mit Kekskrümeln im Mundwinkel „Oh Tannenbaum“ zu jaulen würde das Bild allerdings zu skurril machen. Glücklicher weise gibt es nicht nur Musik, sondern auch Filme.

Falls es in den ersten zwei Absätzen noch nicht erkennbar war, hier noch einmal hoch offiziell: „Ich finde den Weihnachtsglitzer toll!“. Vor ein paar Jahren hätte ich mich noch mit dem Grinch auf der Mülldeponie versteckt, wenn Santa auf meinem Dach gelandet wäre. Inzwischen würde ich alles dafür geben, mit dem Nussknacker im Spielzeugland zu tanzen oder mit Jack Frost die Welt zu vereisen. Vom heurigen Überkonsum an Weihnachtsfilmen habe ich zwei Dinge für mich gelernt. Erstens: Wenn man bunte Hosen und Röcke trägt, kann man zu jeder Zeit und an den ungeeignetsten Orten zu singen und tanzen beginnen, ohne dafür von der Rettung mit Polizeibegleitung in den geschützten Bereich eines Krankenhauses gebracht zu werden. Zweitens: Wenn Erwachsene Briefe an den Weihnachtsmann schreiben, folgen 60-90 Minuten Magie und Lebkuchenzuckerwatteglitzerpupszeug.

Als ich ein Kind war, hat mir meine Mutter erzählt, dass sie in jungen Jahren bei einem Blick durchs Schlüsselloch die glänzenden Flügel des Christkindes sehen konnte. Auch wenn mir irgendwann klar war, dass es sich wohl um eine schillernde Lüge gehandelt hat, gehört sie für mich zum Weihnachtsfest. Da wir also „Vitamin B“ zum Christkind haben, wird auch mein Wunschzettel dorthin geschrieben. Wie beim Erklimmen der Karriereleiter (vorausgesetzt es gibt eine Karriereleiter…), werde ich die Verbindungen zum „Big Boss“ ausnutzen (hochschlafen, scheint an dieser Stelle keine angebrachte Lösung zu sein).

„Liebes Christkind, bitte mach, dass ich gesund bin!“. Damit wäre der Text jetzt sehr schnell beendet. Wenn das jetzt wahr wird, könnte es auch einige unerwartete Konsequenzen mit sich bringen. Nachdem ich mich, wie eben erwähnt, mit einem Bein im Spielzeugland befinde, will ich versuchen, ein bisschen Magie in bereits vorhandenen Erfindungen zu bringen.

Liebes Medtronic Team

Ich habe meine Medikamente ganz brav genommen und mich an die Angaben meiner Ärzte gehalten. Euer Gerät zur Telemedizin wird von mir regelmäßig entstaubt und hat einen gemütlichen Platz unter meinem Bett bekommen.

Wenn wir Weihnachtszauber verwenden können, dann würde ich mir wünschen, dass ich bei einem leeren Akku nicht mehr unters Messer muss. Ich bin tätowiert und trage Piercings, könnte man nicht einen Zipp in meine Brust nähen, um das Gerät bei Bedarf ganz problemlos auszutauschen? Die Optik würde zusätzlich einen coolen Eyecatcher abgeben. Ich würde ihn auch jeden Abend nach dem Duschen trocknen und ölen. Ganz bestimmt würde ich damit keine Schmuggelware transportieren oder mein Kleingeld in der Brusttasche aufbewahren. Versprochen!

Wenn das nicht möglich ist, würde ich mir auch sehr darüber freuen, eine kleine Ladeplatte zu bekommen, auf die ich mich bei Bedarf drauflegen kann. Mein Telefon hängt jede Nacht am Strom und ich vergesse es nur sehr selten. Wenn mein Leben davon abhängt (mein wirkliches, nicht das „oh nein, jetzt kann ich nicht auf mein Instagramprofil schauen“ Leben) würde ich ganz bestimmt noch viel seltener drauf vergessen.

Ein USB-Anschluss könnte auch eine nette Lösung sein. Wobei ich hier allerdings zu bedenken gebe, dass ich in diesem Jahr bereits 3 Kopfhörer gekauft habe, weil der Stecker sehr schnell kaputt wird. Da ich in diesem Fall nicht einfach mit der Rechnung zum Elektrohändler meines Vertrauens gehen möchte, um das Gerät umzutauschen, könnten die ersten zwei Ideen vielleicht sinnvoller sein.

Ich bin sehr dankbar für eure tollen Erfindungen und glaube ganz fest daran, dass ihr mit etwas Weihnachtsmagie auch dieses Problem im Nu beheben werdet. Falls der Feenstaub ausbleibt, werde ich einfach noch weiter warten.

Ich trage eine kleine Maschine in meiner Brust mit mir rum, die meinen Herzschlag so gut erkennt, dass sie eingreifen kann, wenn es aus dem Takt kommt. Dank ihr lebe ich noch. Im Durchschnitt holt sie mich einmal im Jahr zurück in die Welt der Lebenden. Eigentlich grenzt das ja schon sehr an ein Weihnachtswunder. Selbst Santa Clause und seine Wichtel hätte das nicht besser machen können.

Vielleicht gäbe es ja noch eine andere Schraube, an der man mit etwas Zauberpulver und magischen Schraubenschlüsseln drehen könnte?

Liebe Pharmafirma

Ich unterstütze euch mit meinem Geld seit über dreizehn Jahren (Ok, anfangs war es das Geld meiner Eltern…). Auch wenn ich euch oft sehr kritisch gegenüberstehe, bin ich doch froh, dass es Inderal in meinem Leben gibt. Die Nebenwirkungen der kleinen Tabletten halten sich in Grenzen, die Vorteile überwiegen definitiv. Übrigens macht es natürlich gleich viel mehr Spaß, sie täglich zu schlucken, seit ihr die Farbe von Weiß auf Pink geändert habt (life changing moment).

Über eine Kleinigkeit würde ich mit euch gerne sprechen, die Müdigkeit. Nachdem meine Persönlichkeit im Allgemeinen nicht allzu abenteuerlustig ist, fällt es anderen wohl nicht zu sehr auf, aber… (Diesen Satz konnte ich nicht beenden, ich bin eingeschlafen)

Anstatt der wunderbaren pinken Farbe könntet ihr doch ein paar Zauberzuckerstangen in die Rezeptur mischen und die Nebenwirkung von „zu müde, um mitzukommen“ zu „lasst uns etwas erleben“ ändern. Wenn ich meine Tablette um 7 Uhr morgens einnehme, würde ich mich gerne um 10 fühlen, als hätte ich volle 8 Stunden erholsamen Schlaf hinter mir. Weiters wären da noch ein paar Nebenwirkungen, über die ich mich freuen würde: Kann zu äußerst reiner Haut führen, die Gewichtszunahme kann eingeschränkt werden, hebt die Laune. Wäre das bitte möglich?

Wo ihr meinen Brief schon lest, hätte ich noch eine Frage an euch: Was soll denn das mit den Herzrhythmusstörungen als Nebenwirkung? Soll das den nein schlechter Scherz sein???

Danke für die reduzierten Synkopen und frohe Weihnachten!

Ich bekomme regelmäßig mein Leben geschenkt, da sollte ich das ganze Jahr freudig singen und tanzen. Falls ich eines Tages doch von Rentieren auf den Nordpol entführt werden sollte, bin ich mir sicher, dass es dort gar keine Erkrankungen gibt. Der Typ ist sehr alt und adipös, – von Weihnachtsliedern über Hypertonie oder Insulin spritzende Wichtel habe ich aber noch nie gehört.

Wenn meine Mutter recht behalten soll und das Christkind wirklich existiert, dann ist es auch schon einige Hundert Jahre alt, sieht aber aus wie Cara Delevingne. Da gibt es bestimmt kein Problem, mein Long-QT-Syndrom zu heilen.

Eigentlich bin ich sehr dankbar, dass meine Erkrankung mich im täglichen Leben nur ein wenig einschränkt, die Technik Großteiles funktioniert und ich meine Tabletten gut vertrage. Ich hätte es wirklich viel schlimmer treffen können. Mit einer stärkeren Ausprägung des LQTS oder einer anderen Erkrankung (natürlich hätte ich es auch wirklich besser treffen können, aber an Weihnachten soll man ja dankbar sein…). Trotz all der Dankbarkeit mach ich ohne mit der Wimper zu zucken die Fliege, wenn mich Rudolf abholen kommt. Geht ihr nur Schnee schaufeln, ich tanze den Jingle bell Rock. 😉

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