Lust, Leidenschaft und Long-QT

Körperliche Nähe kann etwas Wunderbares sein. Man schmiegt sich aneinander, ist sich nahe, hört den Herzschlag des anderen und in meinem Fall, stöhnt laut auf, weil das Gegenüber sich auf meine linke Seite kuschelt und den ICD als Kopfkissen benutzt. Es beginnt in meiner Brust unangenehm zu ziepen und vor meinem inneren Auge bekomme ich sofort Bilder von Elektroden geliefert, die sich an Knochen reiben. So komme ich natürlich am schnellsten in Stimmung. „Lust, Leidenschaft und Long-QT“ weiterlesen

Teilt euch auf!

Ich oute mich jetzt einmal als absoluter Horrorfan. Wenn ich mich bei Filmen oder Büchern gruseln kann, bin ich glücklich. Leider erschrecke ich mich nur sehr selten. Es könnte eventuell an den Betarezeptorenblockern liegen, den immer wiederkehrenden Geschichten oder ich bin einfach abgestumpft. Wenn die Medien etwas sagen wie: „Die Besucher haben weinend den Kinosaal verlassen“ oder „Achtung, diesen Film sollten sie nur anschauen, wenn sie wirklich starke Nerven haben“, sitze ich alleine in meinem dunklen Wohnzimmer und genieße das seichte Entertainment, während Porzellanpuppen und Clowns mich aus den umliegenden Regalen anstarren. „Teilt euch auf!“ weiterlesen

Stress

Vereinfacht gesagt, blockieren meine Tabletten Rezeptoren, die von Stresshormonen wie Adrenalin benutzt werden. Das verhindert, dass der Blutdruck und die Pulsfrequenz ansteigen. Disstress ist negativer Stress, unter Eustress versteht man positiven Stress. Wenn das mit LQTS so einfach wäre, könnte ich die Tabletten weglassen und abwarten, welche Art von Stress das für mich und mein Umfeld bringt. „Stress“ weiterlesen

Sport ist gesund

Als Kind war ich ziemlich sportlich. Ich war reiten, beim Ballett, habe gerne im Garten getobt oder mich mit Rollern, Skateboards und Ähnlichem ausgetobt. Also ein typisches Kind der 90er, dass nicht den ganzen Tag fernsehen durfte und sich demnach eine Beschäftigung bis zur nächsten Folge Sailor Moon suchen musste.

Soweit ich mich erinnern kann, konnte ich die Begeisterung meiner Eltern für Radtouren und Skiurlaube allerdings nie teilen. Ich wurde schnell weinerlich, mir war übel und viel zu heiß. Als ich mit 15 Jahren die Diagnose Long-QT Syndrom erhalten habe, wurde damit viel von dem kindlichen Gezeter erklärt. „Sport ist gesund“ weiterlesen

Alles Sch***e

Zum Glück bin ich mit meinen Eltern in einer Familienzusatzversicherung, welche schon abgeschlossen wurde, bevor jemand wusste, wie teuer ich werde. Jetzt eine eigene Versicherung abzuschließen, würde mich zusammengerechnet bestimmt einen schönen Urlaub kosten. Also den mit braun gebranntem Pool Boy, endlosen Cocktails am Privatstrand und Ganzkörpermassagen. Nicht den, mit besoffenen Deutschen, die den ganzen Tag ihre Kinder „Kevin, Jeremy und Angelique Chantalle“ anschreien, dass sie endlich aufhören sollen, die kleine Kimberly mit Sand und Zigarettenstummeln zu bewerfen. „Alles Sch***e“ weiterlesen

Wie alles begann

Bis zu „diesem“ Tag war ich ein ganz normaler Teenager. Ich habe eine Schule besucht, auf die ich keine große Lust hatte. Mit meinen Noten war ich trotzdem immer im guten Mittelfeld. Ich habe bis in die Morgenstunden mit Freunden telefoniert, um mich dann zu wundern, warum ich so müde bin. Ich war grundsätzlich leicht genervt. Ok, genervt bin ich noch immer sehr schnell. „Wie alles begann“ weiterlesen