Teilt euch auf!

Ich oute mich jetzt einmal als absoluter Horrorfan. Wenn ich mich bei Filmen oder Büchern gruseln kann, bin ich glücklich. Leider erschrecke ich mich nur sehr selten. Es könnte eventuell an den Betarezeptorenblockern liegen, den immer wiederkehrenden Geschichten oder ich bin einfach abgestumpft. Wenn die Medien etwas sagen wie: „Die Besucher haben weinend den Kinosaal verlassen“ oder „Achtung, diesen Film sollten sie nur anschauen, wenn sie wirklich starke Nerven haben“, sitze ich alleine in meinem dunklen Wohnzimmer und genieße das seichte Entertainment, während Porzellanpuppen und Clowns mich aus den umliegenden Regalen anstarren.

Große Menschenmengen machen mich hingegen weniger glücklich. Um manchen Situationen zu entkommen, stelle ich mir vor, wie es wäre, in einem Horrorfilm zu sein. Ich steigere mich so richtig in die Fantasien hinein und denke mir viele kleine Details aus (Denkt nicht so versaut, wir sind immer noch bei der Filmkategorie „Horror“). Unweigerlich komme ich aber jedes Mal an den einen Punkt, der mich in die Realität zieht. Ich brauche auch in Endzeitszenarien einen Arzt sowie eine gut ausgestattete Apotheke.

Gleich vorweg, ich wünsche mir natürlich keine der folgenden Fantasien im „reallife“, ich habe nur sehr verkorkste Gedanken, die ich mit euch teilen möchte…

Nehmen wir einmal an, ihr sitzt zu Hause vor dem Fernseher und schaut euch etwas wie „Schwiegertochter gesucht“ an. Nein, das ist jetzt nicht der Horror, auf den ich hinauswollte. Während ihr mittelmäßig anspruchsvolles (haha) Programm schaut, läuft plötzlich ein Banner am unteren Bildschirmrand. In einem Labor ist ein Virus ausgebrochen, der die Toten auferstehen lässt. Nicht auf die nette „Tim Burton“ Art und Weise, sondern so richtig „Bitte verlassen sie ihre Häuser nicht“ mäßig. Kurz darauf ist die halbe Menschheit gebissen und verwandelt, oder wurde zum Snack der neuen Nachbarn. Um sich Produkte des täglichen Lebens zu besorgen, muss man sich durch Horden von Zombies kämpfen, ähnlich wie am black Friday. Mit einer Gruppe von Überlebenden startet ihr jeden Tag ins Unbekannte und geht über eure Grenzen hinaus.

Eventuell hätte ich die mentale Stärke, die Zombieapokalypse durchzustehen und meine heiß geliebte Privatsphäre gegen die Sicherheit der Gruppe zu tauschen. Ich könnte lernen, wie man sich verteidigt und aus verschiedenen Resten genießbares Essen zaubern. Selbst wenn ich es hinbekommen sollte, die körperliche Fitness zu erreichen, schnell und stark genug zu sein, um nicht angeknabbert zu werden, gibt es wohl keine Garantie für eine ausgeglichene Gruppenkonstellation bezüglich notwendiger Berufsgruppen. Eine Wunde zu nähen, zu desinfizieren oder Schultern einzurenken, kann man sich bestimmt mit Übung aneignen. Vielleicht kann man mit mehr Übung (es laufen ausreichend Versuchsobjekte im Vorgarten auf und ab) auch einfache Eingriffe erledigen, ein eingewachsener Zehennagel, ein kaputter Zahn etc.

In meiner Vorstellung laufe ich also mit einer Machete bewaffnet durch eine Einkaufsstraße und hoffe, in der nächsten Apotheke noch ein paar meiner Tabletten zu finden. Seit ich sie nicht mehr regelmäßig nehmen kann, summieren sich meine Synkopen. Hinter mir kommt ein Zombie hergelaufen. Ich drehe mich schnell um und zack, erledige ihn. Schnell husche ich in die Apotheke, und leise wie eine Katze hinter den Tresen. Bum. Ich liege am Boden und mein ICD beginnt ein Alarmsignal abzugeben. Die Sonde ist kaputt oder der Akku leer, wer weiß das schon? Wenn ich Glück habe, kommt in dem Moment ein Hungriger aus dem Lager und ich muss mich nicht weiter um die Defekte der Technik kümmern. Die zweite Möglichkeit wäre allerdings, dass ich wieder aufstehe (mit der neu erworbenen Fitness springe ich nach einem kardialen Ereignis quasi auf die Beine) und mache mich auf den Weg zurück in mein neues Zuhause. Dort ist in der Zwischenzeit aber auch kein dynamisches Duo aus Chirurg und Rhythmologe eingetroffen, doof. Ich muss also mit dem Gepiepe leben, bis der Akku aus ist, ich bei der nächsten Synkope nicht mehr aufwache und als Zombiefutter ende. Ein äußerst beruhigender Gedanke, der mich schlafen lässt wie ein Baby.

Gehen wir einmal davon aus, ein Serienmörder treibt sein Unwesen. Ich bin zwei Freunden auf einer einsamen Waldhütte ohne Handyempfang. Wir hören, wie der Killer mit seiner Axt an der Holzwand des Hauses scharrt und sich der Eingangstüre nähert. Weil wir klug sind und genug Gruselfilme gesehen haben, sagt niemand „Kommt, teilen wir uns auf“. Soweit stehen unsere Chancen zu überleben, also besser als bei 70 % der Teenies in den Hollywoodstreifen. Wir müssen schnell sein und ein gutes Versteck finden (keiner stolpert und bricht sich den Knöchel, es ist unglaublich). Wie in den besagten Filmen ist der Axtmörder natürlich viel stärker als wir und selbst ein Messer in seinem Rücken würde ihn nicht davon abhalten, seinen Plan, uns zu töten, umzusetzen. Warum er das möchte, ist absolut unklar und tut hier auch nichts zur Sache! Auf jeden Fall sind wir in unserem super gutem Versteck in einem Kleiderschrank. Der Killer schleicht durch die Hütte und wir hören seinen schweren Atem durch die Schranktüre. Die Axt, die er hinter sich her schleift, verteilt ein kratzendes Geräusch im Zimmer, das uns die Haare im Nacken zu Berge stehen lässt.

Wir sind totenstill in dem Wissen, dass nur der kleinste Atemzug uns jetzt das Leben kosten würde. Wenn der Irre uns entdeckt, haben wir keine Chance mehr. Er schleppt sich direkt am Kasten vorbei Richtung Küchentüre. Wenn er den Raum verlässt, hätten wir vielleicht die Möglichkeit, durch den Hinterausgang ins Freie zu flüchten (schade, dass da keiner früher dran gedacht hat). Der Mörder steht im Türrahmen und dreht sich ein letztes Mal um, um sich zu überzeugen, dass er nichts übersehen hat. Prompt in dem Moment, in dem er sich in Bewegung setzt, um den Raum zu verlassen… PIIIIIIIIEP mein Akku ist leer. Wir sind alle tot. Die Moral von der Geschichte? Teilt euch nicht auf. Außer einer von euch besteht zum Teil aus Maschinen, die im falschen Moment einen Alarm abgeben könnten. Dann, um Himmels willen, TEILT EUCH AUF!!!

Kommen wir nun zu meinem Lieblingsgenre, den Geisterfilmen. Ich muss mir hierzu nicht einmal eine verrückte Geschichte ausdenken. Jeder, der jemals einen Geisterfilm gesehen hat, weiß, dass jene, welche Geister sehen oder von ihnen in Besitz genommen werden, eines gemeinsam haben, sie waren selbst schon in deren Welt, also tot. Dank meiner Mutter und der modernen Technik blieb ich das zwar nicht lange genug, um selbst zum Geist zu werden (dann würde ich ja nerven, anstatt genervt zu werden), aber ich war in deren Welt zu besuch. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass ich mich in einer Geistergeschichte befinde, na wer wird wohl überall tote Menschen sehen?

Es waren bislang nur zwei Menschen anwesend, als mich mein elektrischer Helfer wieder ins Leben zurückgeholt hat. Bei einem sind sich beide einig, ich sehe aus, als wäre ich vom Teufel besessen. Scheinbar fehlt nur noch Erbsensuppe, um die beliebte Szene aus „der Exorzist“ nachzuspielen oder mich in der Geisterbahn arbeiten zu lassen. Vielleicht bringe ich so meine Begeisterung für Horrorfilme zum Ausdruck. Auch wenn alle Eventualitäten für mich schlecht ausgehen, habe ich den Vorteil, durch meinen übermäßigen Genrekonsum eine lebenslange Vorbereitung zu haben, vielleicht gleicht das ja mein Handicap im Falle des Falles aus…

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